Orthopädischer Bürostuhl

Einen orthopädischen Bürostuhl benötigen Sie nach einem Bandscheibenvorfall und bei vielen ähnlichen Krankheitsbildern. Er sorgt für Entlastung beim Sitzen und lindert Schmerzen. Orthopädische Bürostühle sind etwas teurer als normale Bürostühle, daher gewähren verschiedene Kostenträger einen Zuschuss. Unter bestimmten Voraussetzungen erfolgt die Kostenübernahme durch die Deutsche Rentenversicherung bis zu 1.305 € (seit April 2019). Wie Sie die Förderung beantragen, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

1. Was ist ein orthopädischer Bürostuhl?
2. Orthopädischen Bürostuhl kaufen (z.B. nach Bandscheibenvorfall)
3. Wer zahlt einen Zuschuss?

1. Was ist ein orthopädischer Bürostuhl?

Ein orthopädischer Bürostuhl besitzt zahlreiche ergonomische Funktionen, die ein rückenschonendes Sitzen ermöglichen. Er fördert eine gesunde Sitzhaltung und lindert vorhandene Schmerzen. Er wird auch präventiv eingesetzt, damit Rückenschmerzen gar nicht erst auftreten. Umgangssprachlich wird er als Gesundheitsstuhl bezeichnet.

Er unterstützt den natürlichen Bewegungsdrang des Menschen
  • Verhindert Bewegungsmangel: Fördert den häufigen Haltungswechsel und das dynamische sitzen. Jeder Körperbewegung folgt eine Ausgleichsbewegung.
  • Richtige Sitzposition: Verhindert einseitige Belastungen und Haltungsschäden.
  • Entlastung: Der orthopädische Bürostuhl passt sich optimal dem Körper an. Die Rückenmuskulatur, Wirbelsäule und Bandscheiben werden entlastet.
  • Stärkt den Rücken: Die Muskulatur wird gelockert und gleichzeitig trainiert.
  • Regt Stoffwechsel an: Regelmäßige Bewegungen fördern die Durchblutung, wodurch die Muskeln besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Gleichzeitig verbessert sich die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Ein orthopädischer Bürostuhl besitzt im Vergleich zu einem gewöhnlichen Bürostuhl eine deutlich umfangreichere Ausstattung. Um laut Definition als orthopädischer Bürostuhl bezeichnet zu werden, muss dieser zahlreiche Anforderungen erfüllen.

Was muss ein orthopädischer Bürostuhl haben?
  • Kopfstütze: Sie entlastet den Kopf und den Nacken. Dies ist besonders wichtig für Halswirbelsäulengeschädigte. Bei normalen Bürostühlen ist die Kopfstütze manchmal zu weit hinten, sodass der Nacken beim Anlehnen überstreckt wird.
  • Rückenlehne: Sie ist ergonomisch geformt, damit die Wirbelsäule optimal gestützt wird. Sie animiert zum häufigen Wechseln der Sitzposition.
  • Lordosenstütze: Sie unterstützt den unteren Rücken und ist höhen- und tiefenverstellbar. Der Rücken hat permanent Kontakt zur Rückenlehne.
  • Sitz: Er ist stufenlos in der Höhe, Tiefe und Neigung verstellbar. Die anatomische Form bietet einen hohen Sitzkomfort. Die Sitzfläche lässt Bewegungen in alle Richtungen zu. Ständige Ausgleichsbewegungen fördern das aktive Sitzen.
  • Armlehnen: Sie sind in der Höhe, Breite, Neigung und Tiefe verstellbar. Sie entlasten die Arme, Schultern und den Nacken.

Alle Einstellungsmöglichkeiten sollten einfach bedienbar sein, damit man den orthopädischen Bürostuhl schnell auf die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Die Bedienelemente sollten zudem leicht erreichbar sein.

Ein Bandscheibenvorfall ist die häufigste Ursache für die Anschaffung eines orthopädischen Bürostuhls. Entsprechend bezeichnet man sie auch als Bandscheibenstühle. Am häufigsten ist die Lendenwirbelsäule (LWS) und die Halswirbelsäule (HWS) betroffen. Auch nach einer Bandscheiben-OP wird ein bandscheibengerechter Bürostuhl empfohlen.

Wann wird ein orthopädischer Bürostuhl gebraucht? (Beispiele)

Bandscheibenvorfall
Bandscheibenverwölbung
Bandscheiben-OP
Beinveneninsuffizienz
Beckenvenenthrombosen
Facettensyndrom
Flachrücken

Hohlkreuz
Lumbalgien
Lumboischialgie
Lymphstau
Morbus Bechterew
Morbus Scheuermann
Osteochondrose

Rundrücken
Skeletterkrankung
Skoliose
Spondylarthrose
Spondylitis
Spondylolyse
Wirbelsäuleninsuffizienz

2. Orthopädischen Bürostuhl kaufen (z.B. nach Bandscheibenvorfall)

Wer einen orthopädischen Bürostuhl online kaufen will, dem empfehle ich diese 3 Modelle:

Orthopädischer BürostuhlTopstar Open Point SY Deluxe

Bürostuhl mit einem speziell ausgeformten Bandscheibensitz:

  • Qualität: in Deutschland hergestellt
  • Ergonomisch: stützt den Rücken
  • Synchronmechanik: gesund sitzen
  • Entlastung: für die Bandscheiben
  • Sitzempfehlung: bis zu 8 Stunden
  • GS-Zeichen: geprüfte Sicherheit
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Der Bürostuhl im Überblick

Ergonomische Rückenlehne

Der Bürostuhl besitzt eine 60 cm hohe Rückenlehne, die für eine Körpergröße bis 1,92 m geeignet ist. Sie ist über eine Rastermechanik stufenlos in der Höhe verstellbar. Der Gegendruck der Lehne lässt sich individuell anpassen. Für ausreichend Bewegung sorgt die Punktsynchronmechanik, bei der sich die Rückenlehne und der Sitz synchron nach hinten neigen. Der atmungsaktive Netzstoff besteht aus 100 % Polyester.

Bandscheibensitz

Der Sitz ist im hinteren Bereich speziell ausgeformt, zur optimalen Abstützung des Beckenbereichs. Er hat die Maße 48 x 48 cm und ist stufenlos um 8 cm in der Höhe verstellbar. Für eine ergonomische Sitzhaltung beträgt der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel 90°. Der Bezugsstoff besteht aus 100 % Polypropylen und ist nach Öko-Text-Standard 100 zertifiziert.

Man erhält ihn in verschiedenen Farben, zum Beispiel schwarz, braun, grau, blau, rot. Die schwarzen Armlehnen mit verchromten Bügeln sind ebenfalls höhenverstellbar, um sie an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die maximale Sitzempfehlung beträgt 8 Stunden, für einen normalen Arbeitstag also absolut ausreichend.

Ausgezeichnete Qualität

Der Bürostuhl wird in Deutschland hergestellt und besitzt das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit. Er erfüllt damit alle sicherheitsrelevanten Anforderungen und sämtliche nationale und internationale Sicherheitsstandards. Damit eignet sich der Bürostuhl für die private Nutzung zuhause und die gewerbliche Nutzung im Büro.

Die maximale Belastbarkeit beträgt 110 kg, dank des glasfaserverstärkten Stahlfußkreuz. Gebremste Sicherheitsrollen sorgen dafür, dass der Bürostuhl beim Hinsetzen nicht versehentlich verrutscht. Sie sind für Teppichböden geeignet, bei Bedarf können Sie Hartbodenrollen mit dazu bestellen.


Orthopädischer Bürostuhl BandscheibenvorfallTopstar Open Art

Rückenschonender Bürostuhl mit Kopfstütze und Lordosenstütze:

  • Qualität: Made in Germany
  • Ergonomisch: S-förmige Lehne
  • Bandscheibensitz: entlastend
  • Sitzkomfort: über viele Stunden
  • Schmerzlindernd: und beugt vor
  • Sicherheit: GS geprüfte Qualität
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Der Bürostuhl im Überblick

Kopf- und Lordosenstütze

Dieser Bürostuhl besitzt eine Kopfstütze, die den Kopf und die Halswirbelsäule (HWS) stabilisiert. Sie ist um 8 cm in der Höhe verstellbar, außerdem kann der Neigungswinkel verändert werden. Die Lendenwirbelsäule (LWS) wird durch die ebenfalls in der Höhe verstellbare Lordosenstütze stabilisiert.

Die Rückenlehne ist in der Höhe verstellbar und eignet sich für eine Körpergröße bis 1,92 m. Der Gegendruck der Lehne kann mithilfe der Federkrafteinstellung unter dem Sitz verändert werden. Für ausreichend Bewegung sorgt die Synchronmechanik.

Bewegliche Sitzfläche

Der orthopädische Bürostuhl besitzt einen dreidimensional beweglichen Sitz, der für die nötige Bewegungsfreiheit sorgt. Er verhindert, dass die Muskulatur durch eine zu starre Sitzhaltung verkrampft. Der Sitz hat die Maße 48 x 50 cm (Breite x Tiefe) und ist stufenlos in der Höhe verstellbar. Die Sitzvorderkante ist weich abgerundet, um den Blutfluss in den Beinen zu fördern.

Die Armlehnen sind ebenfalls höhenverstellbar, bei Bedarf kann man auch die Breite adjustieren. Die empfohlene Sitzdauer beträgt 8 Stunden pro Tag.

Qualität aus Deutschland

Der Bürostuhl wird in Deutschland hergestellt und besitzt das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit. Er erfüllt alle Sicherheitsstandards und eignet sich sowohl für die Privatnutzung als auch die geschäftliche Nutzung. Wählen Sie das Modell aus, das optisch am besten in Ihr Büro passt. Die Netz-Rückenlehne ist mehreren Farben erhältlich: schwarz, weiß, rot, blau, gelb, grün, lila, pink und orange.

Bodenschonende Rollen

Die Rollen des Bürostuhls sind lastabhängig gebremst, das heißt sie bewegen sich nur bei Belastung. Der Bürostuhl kann damit nicht versehentlich verrutschen. Sie eignen sich für weiche Teppichböden, alternativ können Sie Rollen für harte Böden bei Amazon dazu bestellen.


Bürostuhl bandscheibengerechtNet Motion

Testsieger der Stiftung Warentest mit TÜV- und GS-Zertifizierung:

  • Testsieger: der Stiftung Warentest
  • TÜV-Logo: Stabilität, Sicherheit
  • GS-Zeichen: geprüfte Qualität
  • Ergonomisch: schont den Rücken
  • Komfortabel: gepolsterte Sitzfläche
  • Rollen: für alle Fußböden geeignet
Bei Amazon bestellen

 

Der Bürostuhl im Überblick

Testsieger der Stiftung Warentest

Der Bürostuhl Net Motion wurde von der Stiftung Warentest als Testsieger mit „bester Handhabung“ ausgezeichnet. Er besitzt zahlreiche ergonomische Funktionen und kann individuell auf die Körpergröße eingestellt werden. Neben dem GS-Zeichen hat er auch eine Zertifizierung vom TÜV.

Ergonomische Rückenlehne

Die Rückenlehne besitzt eine Lordosenstütze, die den unteren Rückenbereich stabilisiert. Je nach Körpergröße kann sie in der Höhe verstellt werden. Der Gegendruck der Lehne kann mithilfe der Federkrafteinstellung variiert werden.

Für Bewegung sorgt die Synchronmechanik, bei der sich die Lehne und der Sitz beim Anlehnen unterschiedlich nach hinten bewegen. Dadurch werden verschiedenen Muskelgruppen angesprochen, damit diese nicht durch eine starre 90°-Haltung verkrampfen. Die Rückenlehne ist atmungsaktiv, sodass Sie weniger schwitzen.

Komfortabler Sitz

Die Sitzfläche ist bequem gepolstert, wodurch der Druck auf das Gesäß und die Oberschenkel reduziert wird. Der Sitz kann stufenlos in der Höhe verstellt werden. Auch die Armlehnen sind stufenlos höhenverstellbar, zusätzlich auch in der Breite und Tiefe. Die Rollen sind für alle Fußböden geeignet. Es ist also egal, ob Sie einen Teppichboden oder einen Holzboden haben. Der Bürostuhl wird bereits vormontiert in 3 Teilen geliefert, die Sie nur noch zusammenstecken müssen.


Tipp: Orthopädischen Bürostuhl steuerlich absetzen

Als Privatperson können Sie den orthopädischen Bürostuhl als „außergewöhnliche Belastung“ von der Steuer absetzen. Sie müssen in der Steuererklärung lediglich nachweisen, dass Sie den Stuhl zur Behandlung Ihrer Krankheit benötigen.

Orthopädischen Bürostuhl steuerlich absetzenAuch unternehmerisch Tätige können den orthopädischen Bürostuhl als „Werbungskosten“ absetzen. Der Stuhl muss beruflich genutzt werden, zum Beispiel im Homeoffice oder im Büro des Arbeitgebers. Heben Sie also immer die Rechnung auf, falls das Finanzamt danach fragt.

Weitere Informationen zum Thema Abschreibung eines Bürostuhls finden Sie hier.

3. Wer zahlt einen Zuschuss?

Einen Zuschuss für einen orthopädischen Bürostuhl können Sie bei verschiedenen Kostenträgern beantragen. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt bis zu 1.305 €. Weitere Kostenträger sind die Agentur für Arbeit, die Krankenkasse, Berufsgenossenschaften und das Integrationsamt. Der nachfolgenden Übersicht entnehmen Sie, wer wann zahlt:

Rentenversicherung (in den meisten Fällen)
  • Wenn Sie 15 Jahre oder länger rentenversichert sind (dazu zählen auch der Bezug von Arbeitslosen- und Krankengeld sowie Zeiten der Kinderbetreuung)
  • Wenn Sie 5 Jahre rentenversichert sind, nach einem Heilverfahren oder einer Kur
  • Wenn die Rente ansteht oder bereits Rente bezogen wird

So beantragen Sie einen Zuschuss bei der Deutschen Rentenversicherung

Agentur für Arbeit
  • Wenn Sie weniger als 15 Jahre rentenversichert sind, ist das Arbeitsamt zuständig

So beantragen Sie einen Zuschuss bei der Agentur für Arbeit

Krankenkasse
  • Viele Krankenkassen bieten Zuschüsse für einen orthopädischen Bürostuhl an

Mehr darüber erfahren

Berufsgenossenschaften
  • Wenn Sie einen Unfall auf dem Arbeitsweg oder am Arbeitsplatz hatten
  • Wenn Sie eine Berufskrankheit haben

Zur Homepage der Berufsgenossenschaften

Integrationsamt/ Hauptfürsorgestelle/ Landeswohlfahrtsverbände
  • Für Beamte, Studenten und Sonderfälle
  • Für behinderte Menschen, die technische Arbeitshilfen benötigen

Zum Integrationsamt

3.1 Deutsche Rentenversicherung

Orthopädischer Bürostuhl - Kostenübernahme

  1. Attest: Zunächst muss ein ärztliches Attest vorliegen, das bescheinigt, dass Sie einen orthopädischen Bürostuhl benötigen.
  2. Arbeitgeber: Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er sich an den Kosten beteiligt.
  3. Kostenvoranschlag: In einem Fachgeschäft holen Sie einen Kostenvoranschlag ein.
  4. Antrag auf Kostenübernahme: Reichen Sie alle Unterlagen bei der Deutschen Rentenversicherung ein. Alle Formulare finden Sie in diesem Ratgeber.

Schritt 1: Ärztliches Attest

Bei den folgenden Krankheitsbefunden besteht ein Anspruch auf Kostenübernahme für einen orthopädischen Bürostuhl durch die Deutsche Rentenversicherung:

  • Morbus Bechterew
  • Skoliose mit einem Cobb-Winkel >4°
  • Kyphoskoliose mit einem Cobb-Winkel >40°
  • Hüft- und Kniearthrodese
  • Girdlestone-Hüfte
  • Spondylodese

Wichtiger Hinweis: Seit dem 01.04.2019 erhält man einen Zuschuss nur noch für die oben genannten Krankheitsbilder: Informationsblatt der Deutschen Rentenversicherung. In den Jahren zuvor wurden auch andere Krankheitsbilder mit bis zu 435 € gefördert, z.B. nach einem Bandscheibenvorfall. Zumindest wurde die Höhe der Förderung mit bis zu 1.305 € deutlich erhöht. Falls für Sie keines der hier genannten Krankheitsbilder zutrifft, müssen Sie den orthopädischen Bürostuhl selbst bezahlen.

Das muss im Attest des Facharztes oder Orthopäden stehen
Der behandelnde Arzt muss in einem medizinischen Gutachten attestieren, dass die Anschaffung eines orthopädischen Bürostuhls „unabdingbar und zwingend notwendig“ ist, um die „berufliche Arbeitsfähigkeit und Gesundheit aufrecht zu erhalten“ oder um eine „erfolgreiche Rehabilitation ins Arbeitsleben zu ermöglichen“, falls eine Rehamaßnahme absolviert wurde. Wenn Sie an einer Reha teilgenommen haben, sollten die Angaben in Ihrem Entlassungsbericht enthalten sein.

Darüber hinaus muss das Attest eine möglichst detaillierte Beschreibung der benötigten Stuhlfunktionen enthalten. Der Bürostuhl muss einen „nach allen Seiten frei bewegliche Sitzfläche besitzen, der das aktiv-dynamische sitzen fördert“. Der Bürostuhl soll sich den „Bewegungen des Körpers anpassen“ und bei Bedarf eine „Lordosenstütze“ besitzen. Umso detaillierter die Verordnung, desto besser kann der Fachhändler einen Bürostuhl mit den passenden Funktionen auswählen.

In der ärztlichen Bescheinigung sollte ein logischer Bezug vom Krankheitsbild zur Beschreibung der benötigten Stuhlfunktionen hergestellt werden. Mit einer guten Begründung ist die Bezuschussung vom Kostenträger, bei dem Sie das Rezept einreichen, sehr wahrscheinlich.

Schritt 2: Arbeitgeber informieren

Bevor Sie mit dem ärztlichen Attest einen Kostenvoranschlag für einen orthopädischen Bürostuhl einholen und diesen beim Kostenträger beantragen, sollten Sie unbedingt vorher Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber aufnehmen. Dieser ist zwar nicht dazu verpflichtet, Ihnen einen orthopädischen Bürostuhl bereitzustellen, dennoch können Sie fragen, ob er sich an den Kosten beteiligen möchte.

Orthopädischer Bürostuhl - ArbeitgeberManche orthopädischen Bürostühle kosten mehr als 1.305 €, sodass entweder Sie oder Ihr Arbeitgeber die Mehrkosten tragen können. Beides hat Vor- und Nachteile. Zahlen Sie die Differenz, gehört der Bürostuhl Ihnen, auch nach einem Wechsel des Unternehmens.

Trägt Ihr Arbeitgeber die Mehrkosten, gehört der Bürostuhl rechtlich ihm. Wenn Sie sich die Kosten teilen, sollten Sie sich direkt auch darüber einigen, was mit dem Stuhl bei einem Unternehmenswechsel passiert.

Zusätzlich sollten Sie Ihren Arbeitgeber fragen, ob Sie den orthopädischen Bürostuhl überhaupt im Büro nutzen dürfen. In manchen Unternehmen muss erst der Betriebsarzt oder ein Ergonomie-Beauftragter seine Zustimmung erteilen. Im Optimalfall besitzt der Arbeitgeber sogar bereits einen geeigneten Stuhl, den er Ihnen zur Verfügung stellen kann.

Womit Sie Ihren Arbeitgeber überzeugen

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, Ihnen einen orthopädischen Bürostuhl bereitzustellen. Er kann selbst entscheiden, welche Arbeitsmittel er im Unternehmen einsetzt. Sollte Ihr Arbeitgeber nicht bereit sein, Sie bei der Anschaffung zu unterstützen, weisen Sie ihn auf folgende Fakten hin:

Orthopädischer Bürostuhl - Rückenschmerzen

  1. Rückenschmerzen sind die häufigste Ursache für krankheitsbedingten Arbeitsausfall in Deutschland. Sie verursachen einen jährlichen Gesamtschaden i.H.v. 49 Mrd. €.
  2. Ein langfristig erkrankter Arbeitnehmer verursacht hohe Ausfallkosten für ein Unternehmen, im Durchschnitt 112 € pro Tag (Quelle: Bundesanstalt für Arbeit).
  3. Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter steigern nicht nur den Sitzkomfort, sondern auch die Leistungsfähigkeit und Produktivität.
  4. Gerade nach einer langen Auszeit sollte man bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz geeignete ergonomische Bedingungen vorfinden. Andernfalls drohen erneute Schmerzen und wiederkehrende gesundheitliche Probleme.
Für übergewichtige Personen interessant

Arbeitgeber sind laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) § 618 und Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §§ 3 und 4 dazu verpflichtet, für sichere und gesunde Arbeitsplätze zu sorgen. Sie müssen eine Gefährdungsbeurteilung für Arbeitnehmer durchführen, um deren Sicherheit zu gewährleisten. Von dieser Regelung profitieren vor allem übergewichtige Personen, die ein Recht auf robustere Bürostühle haben.

Die entstehenden Mehrkosten an ergonomischen Arbeitsmitteln müssen vom Arbeitgeber getragen werden. Sie haben also keine zusätzlichen Mehrkosten. Falls es Sie betrifft, fragen Sie nach einer Förderung bei Ihrem Arbeitgeber nach. Hier finden Sie einen passenden Bürostuhl für Übergewichtige.

Schritt 3: Kostenvoranschlag einholen

Nachdem der ärztliche Bescheid vorliegt und Sie mit Ihrem Arbeitgeber gesprochen haben, können Sie sich nun auf die Suche nach einem Fachhändler für Bürostühle machen. Es gibt zahlreiche Hersteller für orthopädische Bürostühle, daher empfehlen ich Ihnen, diese vorher im Fachgeschäft zu testen, zum Beispiel hier in Berlin, Hamburg, MünchenKöln, Düsseldorf, Stuttgart und Dresden.

Zudem gibt es derzeit keinen Test der Stiftung Warentest, welcher Bürostuhl der Beste ist. Ich rate davon ab, einen Bürostuhl günstig gebraucht zu kaufen. Schließlich erhalten Sie einen hohen finanziellen Zuschuss und können dadurch viel Geld sparen.

Fragen Sie zum Beispiel Ihren behandelnden Arzt oder recherchieren Sie im Internet nach einem Fachgeschäft in Ihrer Nähe. Dort sollten Sie sich ausgiebig beraten lassen und zur Probe sitzen. Häufig können Sie den Bürostuhl auch für einige Zeit zum Testen ausleihen.

Wichtig: Kaufen Sie den Bürostuhl erst, nachdem Sie die Zusage zur Kostenübernahme durch die Deutsche Rentenversicherung haben. Andernfalls erlischt der Anspruch und Sie erhalten keinen Zuschuss. Holen Sie also immer einen Kostenvoranschlag ein, den Sie gemeinsam mit den anderen Unterlagen beim Kostenträger einreichen (Schritt 4).

Was kostet ein orthopädischer Bürostuhl?

Die Kosten für einen orthopädischen Bürostuhl sind höher als für einen konventionellen Bürostuhl. Dies hat mehrere Gründe:

  • Hohe Qualität: Er besitzt ausschließlich hochwertige Bauteile und hat viele ergonomische Funktionen.
  • Teurer Entwicklungsaufwand: Die Stuhlkonstruktion entspricht den modernsten medizinischen Erkenntnissen.
  • Lange Lebensdauer: Der Anschaffungspreis verteilt sich auf viele Jahre, wodurch die Kosten pro Jahr ähnlich hoch sind, wie bei einem normalen Bürostuhl.

Schritt 4: Unterlagen einreichen

Die Deutsche Rentenversicherung (bis 2005 noch Bundesversicherungsanstalt für Angestellte – BfA) handelt nach dem Grundsatz „Rehabilitation vor Rente“. Das heißt, es werden alle Möglichkeiten zur beruflichen Rehabilitation ausgeschöpft, um die Arbeitskraft wiederherzustellen. Die Deutsche Rentenversicherung übernimmt die Kosten von bis zu 1.305 €, wenn Sie die oben genannten Voraussetzungen erfüllen.

Welche Unterlagen muss ich einreichen?

  • Ärztliches Attest und wenn vorhanden den Entlassungsbericht der Rehaklinik
  • Kostenvoranschlag für einen orthopädischen Bürostuhl
  • Eine detaillierte Stellen- und Tätigkeitsbeschreibung (z.B. wie oft Sie sitzen, stehen oder im Wechsel arbeiten)
  • Antragsformulare (siehe nachfolgend):

Hilfe beim Ausfüllen erhalten Sie bei den Reha-Beratern der Rentenversicherungsträger, bei den Reha-Servicestellen, im Institut für Gesundheit und Ergonomie, in Reha-Einrichtungen, bei behandelnden Ärzten und bei Ihrer Krankenkasse.

BriefSenden Sie alle Unterlagen an die Rentenversicherung, von der Sie auch Ihre Renteninformation erhalten. Diese leitet Ihre Unterlagen an den Medizinischen Dienst weiter. Dort erfolgt eine Genehmigung oder Ablehnung. Den Bescheid erhalten Sie anschließend von der Rentenversicherung per Post.

Die Bearbeitungszeit kann mehrere Wochen oder Monate betragen. Bei Fragen wenden Sie sich an den Service der Rentenversicherung: 0800 1000 48 070. Ist der Bescheid positiv, können Sie den Bürostuhl kaufen und die Rechnung der Rentenversicherung zusenden. Diese erstattet Ihnen anschließend die entstandenen Kosten bis maximal 1.305 €.

Zur Überbrückung bis zur Kostenübernahme hilft Bandscheibengeschädigten oft schon ein orthopädisches Sitzkissen zur Bandscheibenentlastung.

Wissenswertes: Die Rentenversicherung muss die Kosten übernehmen

Orthopädischer Bürostuhl - UrteilDas Sozialgericht in Karlsruhe hat am 24.05.2016 entschieden, dass die Rentenversicherung (DRV) die Kosten für einen orthopädischen Bürostuhl übernehmen muss.

Geklagt hatte eine Frau, bei der die Rentenversicherung mit der Begründung abgelehnt hat, dass der Arbeitgeber für einen ergonomischen Bürostuhl sorgen muss. Dieser entsprach aber nicht den notwendigen Anforderungen, sodass die Erwerbsfähigkeit der Klägerin gefährdet war.

Antrag auf Förderung abgelehnt? Widerspruch einlegen!

Sollte Ihr Antrag auf Förderung für einen orthopädischen Bürostuhl abgelehnt worden sein, haben Sie die Möglichkeit, innerhalb von 14 Tagen Widerspruch einzulegen. Ich empfehle Ihnen den Aufbau des Schreibens gemäß dieses Muster-Antrags.

Lesen Sie sich den Ablehnungs-Bescheid genau durch, die genauen Gründe wird Ihnen die Rentenversicherung mitteilen. Oft ist das Attest des Arztes zu ungenau beschrieben, eine „Empfehlung für einen orthopädischen Bürostuhl“ reicht beispielsweise nicht immer aus. Hier finden Sie Formulierungen, die das Attest enthalten sollte. Manchmal fehlen auch bestimmte Informationen, die Sie der Rentenversicherung zeitnah nachreichen können.

Einen abgelehnten Bescheid können Sie vom Deutschen Gewerkschaftsbund überprüfen lassen, wenn Sie Mitglied sind. Eine Ablehnung braucht Sie also nicht verunsichern. Legen Sie Widerspruch ein und reichen Sie die fehlenden Informationen nach.

4.2 Agentur für Arbeit

Orthopädischer Bürostuhl - Agentur für ArbeitWenn Sie weniger als 15 Jahre in die Rentenversicherung einzahlen, ist das Arbeitsamt bei der Beantragung eines orthopädischen Bürostuhls für Sie zuständig. Den Antrag erhalten Sie im Arbeitsamt bei Ihnen vor Ort.

In diesem Merkblatt erhalten Sie umfangreiche Informationen darüber, welche Leistungen und Hilfen die Agentur für Arbeit übernimmt.

Die Agentur für Arbeit hat außerdem spezielle Reha-Teams, die Sie bei der Beantragung unterstützen. Hier finden Sie Ihr zuständiges Reha-Team. Weitere allgemeine Informationen zu den Leistungen und Fördermaßnahmen der Reha-Teams erhalten Sie hier.

4.3 Krankenkasse

Orthopädischer Bürostuhl KrankenkasseKrankenkassen haben ein großes Interesse daran, dass ihre Versicherten gesund bleiben und dadurch keine krankheitsbedingten Kosten für Ärzte, Behandlungen und Krankengeld entstehen.

Manche Krankenkassen bieten daher Zuschüsse für die Anschaffung eines orthopädischen Bürostuhls an, manchmal sogar als Präventivleistung.

Sie sollten daher unbedingt Kontakt zur Krankenkasse aufnehmen und sich beraten lassen, ob Sie einen Zuschuss erhalten. Häufig können Sie die Anträge online herunterladen und gemeinsam mit einem ärztlichen Attest einreichen. Tipp: Seien Sie hartnäckig und überzeugen Sie Ihren Ansprechpartner bei der Krankenkasse, dass Sie den orthopädischen Bürostuhl zwingend für die Aufrechterhaltung Ihrer Tätigkeit benötigen.

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Kommentare

  1. Hallo Kevin, danke für den ausführlichen Ratgeber, hat mir bei der Beantragung sehr geholfen! Die Förderung sollte man auf jeden Fall mitnehmen.

  2. Hallo Kevin,

    mir ist von Seiten der Rehaeinrichtung mitgeteilt worden, dass die Rentenversicherung nur noch Sonderanfertigungen bezahlt oder bezuschusst.

    Viele Grüße
    Karin

    1. Hallo Karin,

      ja seit dem 01.04.2019 fördert die Deutsche Rentenversicherung nur noch bei bestimmten Krankheitsbildern:
      – Morbus Bechterew, Skoliose mit einem Cobb-Winkel >40 Grad
      – Kyphoskoliose mit einem Cobb-Winkel >40 Grad
      – Hüft- und Kniearthrodese
      – Girdlestone-Hüfte
      – Spondylodese

      Alle Ratgeber, die du im Internet findest, sind veraltet. Damals gab es die Förderung bis 435 € z.B. auch nach einem Bandscheibenvorfall. Dies ist jetzt nicht mehr so. Immerhin wurde die Höhe der Förderung deutlich angepasst, auf bis zu 1.305 €. Entscheidend ist außerdem, was im Attest steht, siehe dazu die o.g. Angaben.

      Trifft keines der o.g. Krankheitsbilder zu, erhält man leider keine Förderung, sodass man den Bürostuhl selbst finanzieren muss. Alternativ kann man auch den Arbeitgeber fragen, ob dieser einen orthopädischen Bürostuhl zur Verfügung stellt oder ob er sich an der Finanzierung beteiligt.

      Ich hoffe für dich, dass es mit der Beantragung klappt.

      Viele Grüße
      Kevin

  3. Eine super detailliere Schritt für Schritt-Anleitung. Vielen Dank! Bei mir hat es mit der Kostenübernahme durch die Rentenversicherung problemlos geklappt. LG Markus

    1. Hallo,
      Ich habe am 8.04.2019 eine halswirbelop gehabt und vorher habe ich bei der Rentenversicherung angerufen, am telefon sagten die mir das vor eineinhalb Jahren das Gesetz geänder wurde und der arbeitgeber dafür sorge tragen muss das ich das passende Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt bekomm.
      Jetzt bin ich etwas verwirrter?? Was stimmt den nun muss die Rentenversicherung zuzahlen oder nicht ??
      Wäre schön wenn mir jemand helfen könnte

      Vielen lieben Dank
      Antonella Ferrari

      1. Hallo Antonella,

        die Rentenversicherung bezieht sich vermutlich auf dieses Gerichtsurteil im Februar 2018.

        Es gibt Unterschiede zwischen ergonomischen und orthopädischen Bürostühlen. Dein behandelnder Arzt muss im Attest von einem orthopädischen Bürostuhl sprechen und dazu bestimmte Angaben machen. Diese findest du auch in diesem Artikel.

        Vermutlich hat die Rentenversicherung den Antrag abgelehnt, da die notwendigen Voraussetzungen für einen orthopädischen Bürostuhl nicht erfüllt sind. Aus deren Sicht reicht ein normaler ergonomischer Bürostuhl aus, den in der Tat der Arbeitgeber zur Verfügung stellen muss.

        Sprich dazu nochmal mit deinem behandelnden Arzt, ob er dir das entsprechende Attest ausstellt. Ich drücke dir die Daumen, dass es mit der Kostenübernahme klappt!

        Viele Grüße
        Kevin

    2. Hallo Markus,
      Leider hat mir die Rentenversicherung mitgeteilt, dass solche Kostenübernahmen nicht mehr möglich sind. Haben Sie zufällig mehr Erfahrung?

      1. Hallo Isabella,

        danke für deine Nachricht. Die Rentenversicherung fördert nach wie vor die Anschaffung orthopädischer Bürostühle. Seit April haben sich allerdings die Voraussetzungen für eine Förderung geändert: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Formulare/DE/Traeger/Rheinland/g4171-13_informationen_arbeitsplatzausstattung_arbeitsstuhl_arbeitstisch.pdf?__blob=publicationFile&v=4

        Eine Förderung ist bei folgenden Erkrankungen möglich:
        – Morbus Bechterew, Skoliose mit einem Cobb-Winkel >40 Grad
        – Kyphoskoliose mit einem Cobb-Winkel >40 Grad
        – Hüft- und Kniearthrodese
        – Girdlestone-Hüfte
        – Spondylodese

        Die maximale Förderung wurde wiederum auf 1.305 € erhöht. Wenn keine der o.g. Kriterien für dich gültig sind, muss der Bürostuhl leider selbst finanziert werden. Alternativ kann man auch seinen Arbeitgeber nach einer Förderung fragen.

        Viele Grüße
        Kevin

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